Hört auf, unseren Ozean zu zerstören

Im Mai 2021 beteiligte sich unsere Gemeinschaft am Kampf gegen die Grundschleppnetzfischerei. Diese verursacht mehr Schäden am Meeresboden als jede andere menschliche Aktivität auf der Welt. Wir forderten ein sofortiges Verbot dieser zerstörerischen Fischerei-Methode in allen Meeresschutzgebieten. Denn sie verwandelt wertvolle Meeresökosysteme in Ödland.

Das Ausmaß der Zerstörung ist kaum vorstellbar. Die Netze sind so hoch wie dreistöckige Gebäude und so breit wie Fußballfelder. Jeden Tag pflügen sie über den Meeresboden und töten alles, was ihnen in die Quere kommt - Delfine, Robben, Korallen, Seepferdchen und Hunderte anderer Meerestiere. In der Folge verschwinden Fische und andere Arten, die zum Schutz, zur Nahrungssuche, zum Laichen oder als Brutstätte auf diese Ökosysteme angewiesen sind.

Bei unserer Kampagne geht es nicht nur darum, schlimme Dinge zu verhindern. Es geht um mehr. Wir wollen ein anderes Verständnis der Ozeane etablieren. Sie sind ein wertvoller Teil unserer Lebensgrundlagen, die wir mit Respekt behandeln müssen.

Als wir uns im Mai 2021 engagierten, stand eine wichtige Abstimmung im Umweltausschuss des EU-Parlaments an - wir erzielten einen ersten wichtigen Sieg für ein Verbot der Grundschleppnetzfischerei. Daraufhin zog die Fischereilobby alle Register, um dies zu verhindern. Aber unsere Gemeinschaft organisierte eine große Petition, die sich an die Abgeordneten des Parlaments richtete. Zusätzlich schickten wir Tweets und E-Mails an wichtige Mitglieder des Umweltausschusses.

Ein Sieg im Umweltausschuss war wichtig. Allerdings stimmte zwei Wochen später das gesamte Europäische Parlament ab. Hier einen Sieg zu erzielen, war sehr viel schwieriger. Aber der Einfluss unserer Gemeinschaft ist erheblich. Zu Tausenden wandten wir uns an die Abgeordneten. Wir forderten sie auf, gegen die Grundschleppnetzfischerei zu stimmen. Und sie taten es! Sie sandten der Europäischen Kommission eine deutliche Botschaft: Die geplante neue Meeresstrategie - der EU-Aktionsplan für Ozeane - soll diese zerstörerische Fischerei-Praxis in allen Meeresschutzgebieten verbieten.

Im August 2021 wandten wir uns direkt an die Europäische Kommission. Wir wählten dafür einen besonders günstigen Moment: eine internationale Naturschutzkonferenz in Marseille, an der auch Virginijus Sinkevičius teilnahm - EU-Kommissar für Umwelt, Ozeane und Fischerei. Vor Ort organisierten wir gemeinsam mit Partnerinnen eine Veranstaltung gegen Grundschleppnetzfischerei und für den Schutz unserer Meere. Der Kommissar kam zu unserem Event und wir führten zusammen mit unsere Partnerinnen und einigen Aktiven unserer lokalen Gemeinschaft ein erstes Gespräch mit ihm.

Im Dezember 2021 legten wir nach. Diesmal trafen wir den Kommissar in Brüssel, direkt vor seinem Büro. Mit kleinen Spenden unserer Gemeinschaft konnten wir einen Illustrator finanzieren, der ein Pop-up-Buch über unsere Vision der Ozeane anfertigte, welches wir dem Kommissar überreichten.

Diese Szene sorgte in vielen Sprachen und in ganz Europa für Schlagzeilen! Die französische Zeitung Le Monde berichtete, der Irish Examiner und das deutsche Handelsblatt. Natürlich tauchten wir auch ausführlich im Medienspiegel der Europäischen Kommission auf. Gleichzeitig schickten wir mehr als 40.000 E-Mails an Sinkevičius und den Vize-Chef der Kommission Timmermans, um den Druck weiter zu erhöhen. Darin forderten wir ein Verbot der Grundschleppnetzfischerei im Aktionsplan für die Ozeane.

Dank der Kraft dieser Gemeinschaft waren wir auf der Titelseite der einflussreichen Zeitschrift Politico. Denn Tausende von uns leisteten einen kleinen Beitrag leisteten. So konnten wir schnell handeln und besagten Anzeigenplatz kaufen, der uns die größte Aufmerksamkeit sicherte. Politico ist überall in den Büros von EU-Leuten zu finden - Politiker*innen wie Kommissar Sinkevičius sahen unsere Botschaft, wenn sie zu Sitzungen gingen oder eine Kaffeepause einlegten.

Im Mai 2022, im Vorfeld einer wichtigen Abstimmung im EU-Parlament, schickten wir wieder Tausende von Nachrichten an unsere Europaabgeordneten. Gleichzeitig brachten unsere Partner: Oceana Europe, Our Fish, Seas at Risk und andere Türanhänger an den Türen der Abgeordneten an, um sie an unsere Botschaft zu erinnern.

Sie haben auf uns gehört! Die Europaabgeordneten forderten die EU-Kommission auf, die Grundschleppnetzfischerei zu verbieten. Unsere Stimme war stärker als die der industriellen Fischerei, aber es war eine knappe Entscheidung! Das Ergebnis kam genau zu dem Zeitpunkt, als die Kommission den EU-Aktionsplan für die Ozeane ausarbeitete. Dieser legt die Regeln für den Schutz und die Wiederherstellung unserer Ozeane für die kommenden Jahre fest. Es gibt mehr Grund zur Hoffnung denn je, dass die EU der zerstörerischen Fischerei Einhalt gebieten wird und für gesunde und widerstandsfähige Meere sorgt.

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