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Ein Dankeschön von Petru und Sanna

31. März 2021

Fast 212.000 andere Menschen haben vor nicht allzu langer Zeit einen Offenen Brief der Solidarität unterzeichnet. Eine kleine Geste, aber großartig für die Menschen, die Sie damit unterstützt haben.

Photo-Collage der Klimakläger

Hier sind die Personen, die Sie unterstützt haben, von links nach rechts: Obere Reihe: Michael und Maike Recktenwald, Giorgio Elter, Familie Vlad, Armando Carvalho Mittlere Reihe: Alfredo Sendim, Verein Sáminuorra, Ildebrando Conceição Untere Reihe: Familie Qaloibau, Geneviève und Maurice Feschet, Familie Guyo

Das sind die mutigen Menschen, die vor ein paar Jahren beschlossen, gemeinsam für mehr Klimaschutz in Europa zu kämpfen. Sie taten sich zusammen - jeder und jede aus seiner und ihrer Ecke des Kontinents - und brachten die EU vor Gericht. Sie verklagten die Europäische Union, weil sie ihre Lebensgrundlagen nicht ausreichend schützt, denn die Bedrohung durch die Klimakrise ist in ihrem täglichen Leben längst erschreckende Realität. Ihr Fall wurde als "People's Climate Case" bekannt.

Unsere Community stand an ihrer Seite, als die Kläger*innen an die Öffentlichkeit gingen. In Pressekonferenzen in verschiedenen europäischen Hauptstädten versammelten sich Hunderte, um die persönlichen Geschichten hinter der Tragödie zu erfahren - inklusive Journalist*innen und Kameras. Sie erinnern sich vielleicht an Petru Vlad, einen rumänischen Bauern. Seine Familie könnte schon bald ihren Hof und ihr Vieh und damit ihre Lebensgrundlage verlieren, weil sie immer höher auf den Berg gehen muss, um im Sommer noch grüne Weiden zu finden. Oder Sanna aus Schweden. Ihre indigene Community von Rentierzüchter*innen droht nicht nur ihre Lebensgrundlage, sondern auch ihre alte Kultur zu verlieren.

Als Sie den Solidaritätsbrief unterzeichneten, war Ihre Unterschrift in vielen europäischen Hauptstädten zu sehen - durch unseren "Live"-Zähler! Während die Kläger*innen mit den Medien sprachen, erhöhte sich neben ihnen die Zahl auf dem Zähler jedes Mal, wenn einer oder eine von uns den Solidaritätsbrief unterschrieb. Wir zeigten damit ganz konkret und eindrucksvoll, dass sie in diesem wichtigen Moment nicht allein waren.

Einige der Kläger*innen und Mitarbeiter*innen des Climate Action Network Europe neben Mitarbeiter*innen von WeMove Europe - alle halten den Zähler der Petition

Einige der Kläger*innen und Mitarbeiter*innen des Climate Action Network Europe neben Mitarbeiter*innen von WeMove Europe - alle halten den Zähler der Petition

Und wir organisierten für die Familien des People's Climate Case ein persönliches Treffen mit Vertreter*innen des Europäischen Parlaments - nur wenige Tage bevor diese Abgeordneten für wichtige Maßnahmen zur Eindämmung des Klimachaos stimmten. [1] Damit hatten die Familien zum ersten Mal die Gelegenheit, den Entscheidungsträger*innen direkt in die Augen zu schauen und ihnen direkt das menschliche Gesicht des Verlustes zu zeigen.

Mit Ihrer Unterstützung haben sich die Geschichten der Kläger*innen und ihre Forderungen verbreitet und sehr viel Aufmerksamkeit erhalten. Die Familien haben enormen Mut gezeigt. Sie haben sich Politiker*innen gestellt und mit den Medien gesprochen. Sie haben sich Jugendlichen bei Klimademos angeschlossen. Und sie haben Preise für ihr Engagement gewonnen!

Maurice Feschet, französischer Kläger, bei einem Jugendmarsch für das Klima.

Maurice Feschet, französischer Kläger, bei einem Jugendmarsch für das Klima

Das endgültige Urteil ist nun gefallen. Letzte Woche hat der EU-Gerichtshof die Berufung im People's Climate Case ohne Anhörung abgewiesen - nur aus verfahrensrechtlichen Gründen. [2] Das Gericht beschäftigte sich also gar nicht mit der Sache. Weder mit den Klimaauswirkungen auf das Leben der Kläger*innen. Noch mit der unzureichenden EU-Klimapolitik. Es erklärte nur, die Kläger*innen hätten keine Klagebefugnis - also kein Recht, die EU wegen ihrer Untätigkeit in Sachen Klima herauszufordern. Sie hatten einfach Angst vor der Klageflut, wenn sie anders entschieden hätten. Denn viele Menschen würden dann weitere Klagen einreichen, um die EU aus Umweltgründen vor Gericht zu bringen.

Wir sind enttäuscht. Zumal nationale Gerichte in ganz Europa und auch der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte längst den Weg weisen. Sie spielen eine immer wichtigere Rolle dabei, Regierungen zur Rechenschaft zu ziehen - während sich die EU-Gerichte jedoch immer noch hinter Verfahrensfragen verstecken.

Aber es gibt Gründe, hoffnungsvoll zu sein. Neben dem People's Climate Case gab es in jüngster Zeit mehrere andere Klimaklagen in verschiedenen Ländern - die erfolgreich waren. Rechtliche Schritte sind ein guter Weg, um Regierungen zum Handeln in der Klimapolitik zu drängen und ein politisches Momentum zu schaffen. Zum Beispiel hat der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte kürzlich dem Fall von 6 portugiesischen Kindern, die vom Klimawandel betroffen sind, Priorität eingeräumt. In den Niederlanden, Irland und Frankreich haben Gerichte die Regierungen zu mehr Klimaschutz verurteilt. [3] Dieser positive Trend ist ermutigend.

Aber es geht noch weiter. Auch wenn der People's Climate Case abgewiesen wurde, haben die unermüdlichen Bemühungen der Kläger*innen in den letzten 3 Jahren viel bewirkt. Sie haben dazu beigetragen, Druck auf die Verantwortlichen in der EU auszuüben, um mehr für das Klima zu tun. Die EU hat sich zu einem Europäischen Green Deal bekannt und endlich auch ein ehrgeizigeres Emissionsreduktionsziel festgelegt. In der nahen Zukunft stehen weitere wichtige Verhandlungen an, unter anderem über das europäische Klimagesetz. [4]

Mit anderen Worten: Mit Ihrer Unterstützung für die Kläger*innen und ihren Fall haben Sie mitgeholfen, den Druck auf die EU-Regierungschef*innen zu erhöhen - für mehr Klimaschutz und einen demokratischen Zugang zur Justiz.

Referenzen:
[1] https://www.euractiv.com/section/energy-environment/news/eu-parliament-votes-for-55-emissions-cuts-by-2030/
[2] https://caneurope.org/eu-court-turn-a-deaf-ear-to-citizens-hit-by-the-climate-crisis/
[3] https://www.urgenda.nl/en/home-en/
https://www.climatecaseireland.ie/
https://notreaffaireatous.org/pr-a-historic-decision-in-the-case-of-the-century-the-french-state-is-found-liable-for-its-insufficient-climate-action/
[4] https://www.europarl.europa.eu/legislative-train/theme-a-european-green-deal/file-2030-climate-target-plan

 

Ergebnisse unserer Community Umfrage

3. März 2021

In ihrem Buch "Hope in the Dark" schreibt die Essayistin und Aktivistin Rebecca Solnit, dass in der Ungewissheit auch viel Hoffnung steckt. [1] Es ist nicht leicht in diesen Zeiten, hoffnungsvoll zu sein. Mehr als 2,5 Millionen Menschen sind schon an Covid-19 gestorben. Das sind 2,5 Millionen Gründe für Trauer und Niedergeschlagenheit. [2]

Wie also können wir Hoffnung finden? Kann aus dieser Krise etwas Gutes entstehen?

Die Antwort ist - ja.

Wir können nicht vorhersagen, wie die langfristigen Auswirkungen der Corona-Pandemie sein werden. Aber wir können jetzt unseren Einfluss geltend machen, um die Dinge in die richtige Richtung zu lenken und für eine bessere Zukunft zu sorgen. Mit anderen Worten: Es gibt so viel, was wir in dieser Krise zum Positiven verändern können.

Und als eine Community von fast 1 Million Menschen, die Europa ihr Zuhause nennen, sind wir gut aufgestellt, um diesen Wandel zu bewirken.

Im Januar wollten wir von Ihnen wissen, wofür es sich Ihrer Meinung nach zu kämpfen lohnt. Viele aus der WeMove Europe-Community haben sich an der Umfrage beteiligt, die wir verschickt habe.

Ergebnisse unserer Community Umfrage
Ergebnisse unserer Community Umfrage

Hier sind die wichtigsten Erkenntnisse, die wir mit Ihnen teilen möchten:

Ganz besonders wichtig ist es für die WeMove-Aktiven, dass die 750 Milliarden Euro an Covid-Rettungsgeldern der EU dafür ausgegeben werden, unseren Planeten nachhaltig zu machen. Darin sehen sie die beste Chance, die wir im Moment haben, um ein gerechteres und sozialeres Europa zu schaffen. Und wir werden sie nutzen. Das bedeutet, wir wollen sicherstellen, dass unsere Regierungen starke und zukunftsorientierte Pläne haben, um dieses Geld auszugeben. Es soll den Menschen und zukünftigen Generationen zugutekommen und nicht den Konzernen, die mit fossilen Brennstoffen Gewinne machen.

Es gibt noch mehr. Überall in unserer Community kümmern sich Menschen um andere Menschen, insbesondere um Migrant:innen und Flüchtlinge. Sie tun das, weil sie es wichtig finden. Und wir werden weiter für ein gastfreundliches und menschliches Europa kämpfen, auf das wir tatsächlich stolz sein können. Als Nächstes wollen wir erreichen, dass Frontex, die Europäische Agentur für Grenz- und Küstenwache, uns und unseren Verantwortlichen gegenüber rechenschaftspflichtig ist. Gegen Frontex und ihren Direktor Fabrice Leggeri wird nun vom Europäischen Parlament ermittelt. [3] Unsere Vision: Wir wollen in diesem Jahr eine Veränderung im Umgang mit Menschen auf der Flucht erleben.

Wichtig ist den WeMove-Aktiven auch, dass die Steuertricks der Konzerne gestoppt werden. Viele Unternehmen, allen voran die digitalen Giganten, verzeichnen während der Covid-Krise neue Höchststände bei ihren Profiten. Wie viel oder wie wenig Steuern Google, Facebook und Amazon zahlen, wissen wir Bürger:innen immer noch nicht. Das können wir ändern.

Auch die Gemeinsame Agrarpolitik der EU nannten sehr viele in der Umfrage als besonders wichtig, vor allem in Deutschland, Frankreich und Italien. Wir haben in diesem Jahr noch die Chance, eine andere Art der Lebensmittelproduktion in Europa durchzusetzen. Eine, die gesund, fair und nachhaltig ist. Die riesigen Subventionen für Agrarfabriken und den übermäßigen Einsatz von Düngemitteln und Pestiziden wollen wir beenden.

Dies sind nur einige der großen Geschichten des Wandels, um die wir uns in diesem Jahr kümmern wollen.

Referenzen
[1] http://rebeccasolnit.net/essay/hope-is-a%E2%80%8Bn-embrace-of-the-unknown%E2%80%8B-rebecca-solnit-on-living-in-dark-times/
[2] https://covid19.who.int/
[3] https://www.euronews.com/2021/02/24/meps-to-personally-investigate-frontex-amid-pushback-allegations

 

Unser Jahr 2020

6. Januar 2021

Es gibt immer ein "Davor" und ein "Danach". 2020 wird sich in dieser Hinsicht in unsere Erinnerung einbrennen: vor Corona, nach Corona.

Vor Corona hatten wir einen Plan für 2020. Wir wussten, auf welche EU-Themen wir uns konzentrieren wollten. Wir hatten auch größere Ideen, ja. Aber wir dachten: Die kommen später.

Denn wir wussten, dass es für alle guten Ideen einen richtigen Moment in der Geschichte geben muss. Wer hätte gedacht, dass dieser Moment 2020 ist. Corona hat gezeigt: wir brauchen radikale und schnelle Lösungen, um mit einer globalen Pandemie umzugehen.

Während wir uns gemeinsam auf ein neues Jahr vorbereiten, {contact.first_name} {contact.last_name}, schauen Sie sich an, was wir im Jahr 2020 erreicht haben.

Unser Jahr 2020

Nicht grün genug

27. Juli 2020

wir können es ruhig historisch nennen, was gerade in Brüssel vereinbart wurde. Aber reichen tut es uns nicht.

Historisch ist, dass die EU das erste Mal gemeinsam Schulden macht und hohe Zuschüsse an diejenigen zahlt, die Corona besonders hart getroffen hat. So geht Solidarität!

Historisch ist auch die schiere Menge Geld, die in die Hand genommen wird: 1,8 Billionen. Ein Drittel davon soll für den Klimaschutz eingesetzt werden. Nirgendwo sonst auf der Welt ist die Reaktion auf Corona so klar auf die Zukunft ausgerichtet. Ein Meilenstein ist die sogenannte “Do-no-harm-Klausel”, wonach Zuschüsse nur dann fließen, wenn sie dem Ziel der Klimaneutralität der EU bis 2050 nicht entgegensteht.

Leider soll aber auch am falschen Ende gespart werden. So soll bei der Landwirtschaft das gekürzt werden, was Umwelt und Artenvielfalt schützt. Das ist unnötig - und nervt.

Zum Glück ist das letzte Wort noch nicht gesprochen. Jetzt ist das Europaparlament am Zug, es muss noch zustimmen. Die Abgeordneten haben am Donnerstag im Plenum klargemacht, dass auch sie mehr Umwelt- und Klimaschutz wollen.

In ihren Fraktionen bereiten sie jetzt die Verhandlungen mit Charles Michel, dem Präsidenten des Europäischen Rates vor. Das heißt für uns: Wir müssen jetzt aktiv werden. Wann und wie wir unser Gewicht gemeinsam mit unseren Partnern in die Waagschale werfen, planen wir gerade.

Dass wir bis jetzt so erfolgreich bei all den Verhandlungen vertreten waren und für mehr Umwelt-, Klimaschutz und Solidarität im Wiederaufbauplan streiten konnten, verdanken wir vielen Spenderinnen und Spendern und der tätigen Mithilfe von unzähligen Aktiven. Gerne stellen wir hier eine Auswahl der Aktionen vor, mit denen wir unseren Forderungen Gehör verschafften:

Zuerst sorgten tausende E-Mails und Tweets an Abgeordnete dafür, dass über unseren Appell im Plenum gesprochen wurde.

Im Europaparlament: Die Führerin der Sozialdemokraten Iratxe Garcia spricht über unsere Forderungen.

Im Europaparlament: Die Führerin der Sozialdemokraten Iratxe Garcia spricht über unsere Forderungen.

Dann folgte unsere Anzeige im Newsletter von Politico, dem wichtigsten Nachrichtenportal für die EU. Es wird auch in den Büros der 27 Staats- und Regierungschefs gelesen. Wir waren dort vor einem der Online-Gipfel eine ganze Woche mit unseren Forderungen vertreten - auch weil wir wegen der Pandemie nach anderen Wegen suchen mussten, die Regierungschefs zu erreichen. Wieder haben Spenden das ermöglicht. Und die Auswertung der Anzeige hat gezeigt: Unsere Nachricht wurde dreimal häufiger angeklickt als sonst dort üblich.

Die Woche vor dem entscheidenden Gipfel in Brüssel waren wir dann zusammen mit unseren Partnern auf der Webseite von Politico unübersehbar.

Unsere Anzeige auf Politico

Als es wieder möglich war, wurden wir auf der Straße aktiv: Zusammen mit WWF Deutschland und dem NABU demonstrierten wir am 1. Juli, als Deutschland die Präsidentschaft des Europäischen Rates übernahm, vor dem Umweltministerium in Berlin. Umweltministerin Svenja Schulze kam raus und twitterte anschließend unser Aktionsfoto.

Tweet der Bundesumweltministerin Schulze

Nach Berlin legten wir in Brüssel nach. Gemeinsam mit Greenpeace, Transport & Environment, WWF und vielen anderen großartigen Organisationen überreichten wir direkt vor dem EU-Corona-Gipfel Mitarbeitern des EU-Ratspräsidenten Michel rund 1,3 Millionen Unterschriften für ein grünes und gerechtes Hilfspaket.

Übergabe der Unterschriften mit Partnern

© Eric De Mildt / Greenpeace

Zehntausende haben außerdem die Staats- und Regierungschefs von zuhause aus wissen lassen, wie wir die Sache sehen: Als Macron und Rutte sich zum Abendessen trafen, haben Tausende von uns ihnen mit unseren Forderungen die Vorspeise auf Twitter serviert.

Beispiele von Tweets an Macron und Rutte

Bei Twitter und Facebook ließ sich der Effekt live beobachten. Aber auch die tausenden E-Mails zeigten ihre Wirkung.

In den kommenden Wochen wird es vor allem darum gehen, den Abgeordneten des Europaparlaments zu zeigen, dass wir noch mehr Umwelt- und Klimaschutz erwarten. Es wird Verhandlungen zwischen dem Europaparlament, der Kommission und dem Rat geben. Jeder einzelne Termin ist eine Gelegenheit für uns, mehr für Klima und Umwelt rauszuholen - ohne die vereinbarte Solidarität zu gefährden.

Wir wollen diese Chance nutzen. Jetzt. Aber das können wir nur gemeinsam. Deshalb bitten wir Sie herzlich, uns mit einer Spende zu unterstützen!

Als europäische Bewegung vereinen wir Menschen in vielen EU-Ländern: alle bereit, gemeinsam aktiv zu werden - online oder auf der Straße. Im Schulterschluss mit Partnerorganisationen werden wir wieder den richtigen Moment analysieren und planen, was wir dann umsetzen können.

Lassen Sie es uns anpacken.

 

Jahresbericht 2019

30. Juni 2020

In unserem Jahresbericht 2019 finden Sie eine Zusammenfassung unserer wichtigsten Kampagnen im Vorjahr und eine abschließende Einsicht in unsere Finanzen. Viel Spaß bei der Lektüre.

 

 

Durchbruch nach vier Jahren Kampagne!

22. Mai 2020

Kein Patent auf Pflanz und Tier!

Es ist offiziell – und wir haben gewonnen: Konventionell gezüchtete Tiere und Pflanzen sind nicht patentierbar. Was uns allen wohl selbstverständlich erscheint, war es für Unternehmen wie Bayer (Käufer von Monsanto), Syngenta und Carlsberg nicht: Sie haben hartnäckig für die Patente gekämpft. Ohne Patent können sie jetzt die biologische Information der Pflanzen und Tiere nicht kontrollieren und Gewinne damit erzielen!

Diese Erfolgsgeschichte ist eine längere und erzählt von Menschen, die Hand in Hand gearbeitet haben. Deshalb wollen wir die Höhepunkte dieser Geschichte hier mit Ihnen noch einmal Revue passieren lassen:

Im Jahr 2016 schlossen wir uns der Kampagne gegen Patente auf Brokkoli, Tomaten, Gerste und Lachs an, die bis dahin vor allem in Deutschland bekannt war. Wir mobilisierten über die Grenzen hinweg und machten die Kampagne zu einer wahrlich europäischen Anstrengung. Ein paar Monate später übergab ein breites Bündnis von Organisationen mehr als 800.000 Unterschriften und forderte ein "Nein" zu Patenten, die natürliche Organismen zum Privatbesitz multinationaler Konzerne machen.

Im Sommer 2016 übergeben Landwirte, Gärtner/innen und Aktivist/innen 800.000 Unterschriften gegen Patente auf Pflanzen und Tiere an das Europäische Patentamt in München.

Im Sommer 2016 übergeben Landwirte, Gärtner/innen und Aktivist/innen 800.000 Unterschriften gegen Patente auf Pflanzen und Tiere an das Europäische Patentamt in München.

Mit einem Appell allein war dem Europäischen Patentamt (EPA) aber nicht beizukommen. Also organisierten wir in einem breiten Bündnis den größten offiziellen Einspruch gegen ein Patent, den das EPA je gesehen hat. Gemeinsam reichten wir fast 65.000 Beschwerden gegen ein Patent auf eine Tomate ein, unterzeichnet von Bürger/innen aus ganz Europa. Das war überwältigend – das EPA konnte sie gar nicht alle auf einmal annehmen.

Im Juni 2017 konfrontierten wir das EPA mit einem Protest am Amtssitz in München. Wir starteten – passend zur Stadt mit der langen Bierbrautradition – eine Kampagne gegen einen Patentantrag auf Gerste, den Brauprozess und Bier. Die Unterschriften lieferte eine Bierkutsche, ganz traditionell gezogen von sechs Pferden. Eine Blaskapelle spielte auch noch auf.

Abgabe von Hunderttausenden von Unterschriften im Sommer 2017 gegen ein von der Firma Carlsberg beantragtes Patent auf Gerste, Brauerei und Bier.

Abgabe von Hunderttausenden von Unterschriften im Sommer 2017 gegen ein von der Firma Carlsberg beantragtes Patent auf Gerste, Brauerei und Bier.

Im Juli 2017 dann der erste große Erfolg in Brüssel: Als Folge der vielen Kampagnen stellte die Europäische Union klar, dass Pflanzen und Tiere keine Erfindungen des Menschen sind, sondern Natur und daher ein gemeinsames Gut. Das EPA akzeptierte diese Entscheidung nicht, legte aber immerhin die Genehmigungen für anhängige Patentanträge auf Eis. Aber: Es nahm weiter neue Anträge an.

Wir kehrten also ein Jahr später nach München zurück, um den Druck aufrechtzuerhalten – diesmal pünktlich zum Oktoberfest. Zusammen mit Freiwilligen von WeMove Europe und Aktiven von Partnerorganisationen haben wir dort Tausende Bierfans angesprochen, die auf dem Weg zum Fest am Europäischen Patentamt vorbeigingen. Für uns genau der richtige Ort, um Fähnchen zu verteilen. Keine Patente für Bier: Den Besucherstrom verwandelten wir so in eine Demonstration.

Bierfans auf dem Weg zum Oktoberfest gehen am EPA vorbei und werden von Aktivist/innen in vier Sprachen begrüßt. Kleine, aber tausende von Fähnchen signalisieren: Nein zu Patenten auf Bier, Brauen und Gerste.

Bierfans auf dem Weg zum Oktoberfest gehen am EPA vorbei und werden von Aktivist/innen in vier Sprachen begrüßt. Kleine, aber tausende von Fähnchen signalisieren: Nein zu Patenten auf Bier, Brauen und Gerste.

Im Sommer 2019 schlossen wir uns dann einer breiten Koalition von Umwelt- und Bauernorganisationen an und unterzeichneten einen offenen Brief ans Patentamt. Diesmal ging es darum zu zeigen, dass es nicht nur um Pflanzen geht, sondern auch um Tiere wie Schweine, Schafe und Fischarten – in diesem Fall Lachs und Forelle.

 Aktivist/innen einer breiten Koalition fordern ein Ende der Patente auf Pflanzen und Tiere. Dieses Mal geht es um Lachse und Forellen.

Wieder im Sommer in München: Aktivist/innen einer breiten Koalition fordern ein Ende der Patente auf Pflanzen und Tiere. Dieses Mal geht es um Lachse und Forellen.

All das ist unsere Lesart der Geschichte. Aber wie Sie sich denken können, gibt es auch eine andere: Konzerne haben sich mit Händen und Füßen gegen unsere Forderungen gestemmt. Sie haben ihre Lobbyarbeit gemacht. Aber letzte Woche hat die Große Beschwerdekammer, das höchste Rechtsorgan des Europäischen Patentamts, ihr Rechtsgutachten veröffentlicht - und uns in unserem Bemühen bestätigt. Am 14. Mai 2020 haben wir gewonnen – und wir hoffen sehr, dass diese Entscheidung einem Jahrzehnt der juristisch absurden und chaotischen Entscheidungen im EPA ein Ende bereitet.

Wie so oft, können wir auch in diesem Fall die gute Mischung aus guten Argumenten, starken und erfahrenen Partnern und einer breiten internationalen Mobilisierung feiern. So geht Macht von unten! Eine Macht, zu der wir als WeMove Europe-Gemeinschaft beitragen konnten. Das alles verdanken wir Ihnen und jedem einzelnen von uns – indem wir Appelle mit unserem guten Namen unterzeichnen, Forderungen mit Freunden und Familie teilen und spenden, wenn wir können.

Unser besonderer Dank gilt unseren Partnern No Patents On Seeds und Campact. 2016 lud uns Campact ein mitzumachen – eben weil diese Geschichte eine europäische ist und wir da an der richtigen Stelle sind.

Die Aktiven von No Patents on Seed sind die wahren Treiber dieser Kampagne. Es ist ihrem ausgezeichneten Fachwissen und ihrer kontinuierlichen Recherche zu verdanken, dass wir zum richtigen Zeitpunkt über alle Informationen verfügten, um über Grenzen hinweg mobilisieren zu können.

Es ist immer befriedigend, einen Sieg zu feiern. Aber wir wissen auch um die starken Interessen der Konzerne, allgemeine Güter zu Privateigentum zu machen. Sie werden nach Schlupflöchern suchen. Deshalb müssen wir wachsam bleiben. Wir werden Ihre Stimme sicher wieder brauchen. Und auch Ihre Spende. Bitte überlegen Sie, ob Sie heute spenden wollen. So können wir morgen den Konzernen mit Macht die Stirn bieten.

 

Jahresbericht 2018 - jetzt auch in Deutsch

02. Oktober 2019

Wir haben unseren Jahresbericht 2018 nun auch in Deutsch vorliegen.

 

 

Unsere Erfolge der letzten Monate

29. August 2019

Mehr Wissen über Lebensmittel!

Im Folgenden möchten wir von unseren Kampagnen der letzten Monate berichten. Es ist uns eine Freude, denn gerade bei dem so wichtigen Thema Lebensmittel können wir nach langen Jahren einen tollen Erfolg feiern. Möglich war das durch die einmalige Kombination aus tollen Partner-Organisationen und einem wachsenden Netz von Bürgerinnen und Bürgern. Über sprachliche und kulturelle Grenzen hinweg sind sie in ganz Europa aktiv.

Mit verbundenen Augen in einen Boxkampf gehen - genau so hat der Kampf für sichere Lebensmittel in der EU bislang ausgesehen. Doch jetzt müssen die Hersteller ihre Studien veröffentlichen, mit denen sie die Harmlosigkeit von Lebensmittelzusätzen und Giften nachweisen wollen. Die Augenbinde ist gelüftet!

Monsanto beispielsweise konnte seine Studien zu Glyphosat lange geheimhalten. Erst sehr spät im Genehmigungsverfahren für das Ackergift wurden die Studien öffentlich und unabhängige Wissenschaftler/innen fanden schnell Ungereimtheiten. In der Zusammenfassung für die Behörde fehlten Einzelergebnisse, die deutlich darauf hinweisen, dass Glyphosat Krebs erregen kann. Bürgerinnen und Bürger in Europa waren zu Recht besorgt. Zu Millionen unterzeichneten sie 2017 unsere Bürgerinitiative.

Und unser gemeinsamer Protest zeigte Wirkung. 603 Abgeordnete des Europäischen Parlaments haben nun dafür gestimmt, dass die Studien öffentlich werden müssen. Selten gibt es im Parlament diese Einigkeit. Für WeMove ist das auch deshalb ein so toller Erfolg, weil die Arbeit gegen Ackergifte wie Glyphosat zu unseren ersten Kampagnen im Gründungsjahr 2015 gehörten. Wir arbeiteten mit Partnern zusammen, koordinierten die Europäische Bürgerinitiative (EBI) und haben gemeinsam mobilisiert. Aber wie immer bei einer neuen Regelung wird es auch hier darauf ankommen, die Umsetzung zu überwachen. Und ein Makel hat das Ganze: Die Regelung tritt erst in drei Jahren in Kraft. Wir bleiben weiter an dem Thema dran.

(Wir wollen wissen, was auf unseren Tellern landet)
(Wir wollen wissen, was auf unseren Tellern landet)

Was in Deutschland schon länger Gesetz ist, tritt am 1. August europaweit mit einer neuen Richtlinie in Kraft: Vätern wird genauso wie Müttern ein Elternurlaub von mindestens vier Monaten gewährt. Diese Monate können nicht von einem Elternteil auf den anderen übertragen werden. Vor allem Väter werden so ermutigt, sich mehr um Hausarbeit und Kinder zu kümmern.

Die Mitgliedsländer, die noch keine solche (oder eine bessere) Regelungen hatten, haben nun drei Jahre Zeit, um die Regel umzusetzen. Vor allem die Gewerkschaften, aber auch viele andere Organisationen haben sich jahrelang dafür eingesetzt, die Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu verbessern und insbesondere den Vätern die Tür für mehr geteilte Verantwortung zu öffnen. Bereits im April 2017 lag die Richtlinie als Vorschlag vor, erhielt aber erst Anfang 2019 Zustimmung im Europaparlament und dem Europäischen Rat.

In der kritischen letzten Phase der politischen Einigung mischten wir uns mit einem Appell noch einmal ein. Fast 60.000 Unterschriften sammelten wir während der Weihnachtsfeiertage. Und konnten damit deutlich machen, dass die Forderung breite Unterstützung findet. Stellvertretend für uns und die Kampagne legte der Europäische Gewerkschaftsbund, EBG, unseren Appell den Regierungschefs und Ministern von den sieben Ländern vor, die sich noch gegen die Regelung sperrten. Unser Appell und der Druck der Gewerkschaften hatten Erfolg!

(Vater und Baby, Foto Max Boshini)
(Vater und Baby, Foto Max Boshini)

Wieder ist ein weiterer Schritt zu mehr Gleichstellung der Geschlechter getan - es werden noch viele folgen müssen. Wir werden auch kommende Gelegenheiten ergreifen.

Menschen verklagen Europa wegen des Klimawandels

Schon zwei Jahre ist es her, dass sich 10 Familien zusammengetan haben, um die EU auf mehr Klimaschutz zu verklagen. Sie alle sind bereits heute akut durch den Klimawandel betroffen, ihre Existenzgrundlage steht auf dem Spiel. Etwa Petru, ein rumänischer Landwirt, und Sanna, eine Saami-Rentierzüchterin aus Schweden. Sie klagen Europaparlament und EU-Kommission an und verlangen mehr Anstrengungen, um die Klimakrise abzuwenden.

Im März konnten die klagenden Familien etliche Abgeordnete des Europaparlaments treffen. Nur wenige Tage bevor die Abgeordneten über wichtige Maßnahmen zum Klimaschutz abstimmen mussten. Stellvertretend für uns alle brachten die Familien ihre “anfassbare” Geschichte nach Brüssel. Viele von uns sind gerne der Bitte gefolgt, die Reisekosten gemeinsam zu übernehmen. Das gehört zu den vielen kleinen Dingen, die wir tun können und die so viel bewirken: Für all diejenigen spenden, die entschlossen für Klimaschutz aktiv werden. Vereint mit so vielen von uns aus Europa sind dann Reisekosten ein Leichtes.

(Der Zähler zeigt die Anzahl derjenigen aus Europa, die die Klimaklage unterstützen.)
(Der Zähler zeigt die Anzahl derjenigen aus Europa, die die Klimaklage unterstützen.)

Im Gepäck haben die beiden einen tragbaren Zähler, der anzeigt, wie viele von uns sich bereits mit der Klage solidarisch erklärt haben. Ende Mai hat es der Europäische Gerichtshof abgelehnt, die Klage der Familien anzunehmen. Genannt wurden allerdings nur verfahrensrechtliche Gründe. Auf den Inhalt der Klage ging das Gericht nicht ein. Darauf kommt es aber an! Deshalb haben die Familien Berufung eingelegt. Wir bleiben dran und werden wieder berichten.

Unabhängige Aktionen zu vielen Themen. Schnell, über alle Grenzen hinweg und den Finger in der Wunde. Das macht WeMove Europe als Gemeinschaft von Bürgerinnen und Bürgern aus. Das geht nur, wenn wir alle zusammenlegen und spenden. Für ein anderes Europa - das immer möglich ist.

 

Jahresbericht 2018

27. Juni 2019

Unser Jahresbericht 2018 zeigt an ausgewählten Beispielen, mit welchen Kampagnen wir Erfolg hatten und wo noch Herausforderungen auf uns warten. Eine Auskunft darüber, woher unser Geld gekommen ist, rundet den Bericht ab. Er liegt leider nur auf englisch vor, ist aber einen Blick wert. Viel Freude beim Blättern.

 

 

Europawahl für Menschenrechte, Demokratie und Klimaschutz

27. Juni 2019

Das erste Mal, dass wir zur Europawahl mobilisiert haben. Das erste Mal, dass überhaupt europaweit so viele Menschen gemeinsam wegen der Wahl auf die Straße gegangen sind - das ist ein Zeichen für Demokratie, soziale Gerechtigkeit und Klimaschutz, das wirklich Hoffnung macht.

Wir bedanken uns bei allen, die auf so vielfältige Weise mitgewirkt haben. Hier ist unsere Dankesbotschaft:

Vorschau-Bild mit Link zum Video der Aktionen und Spendenseite

Über unsere gemeinsamen Proteste wurde international breit berichtet - in Deutschland sowieso, aber auch in Europa und sogar weltweit, wie in der New York Times, bei CNN, Al Jazeera, der Japan Times und vielen mehr.

Unser Beitrag als WeMove war die Koordination der europaweiten Proteste und es ist kaum zu glauben, wie viel Aufwand das ist, über all die Sprachgrenzen und kulturellen Unterschiede hinweg, einen gemeinsamen Slogan zu entwickeln.

Unser Kampf für Mindestlöhne

Vor fünf Jahren verpflichtete sich H&M, den Textilarbeitern endlich Löhne zu zahlen, die ihre Existenz sichern. Eingelöst wurde das Versprechen bisher nicht. Zusammen mit der Kampagne für saubere Kleidung forderten wir H&M auf, endlich Wort zu halten. Mehr als 180.000 Bürgerinnen und Bürger Europas unterzeichneten unseren Appell, um das Leben der Arbeiter*innen zu verbessern.

(H&M Geschäftsführer Karl-Johan Persson und unsere Partner bei der Kampagne für saubere Kleidung)
(H&M Geschäftsführer Karl-Johan Persson und unsere Partner bei der Kampagne für saubere Kleidung)

Tausende von uns haben sich auf allen Kanälen - Facebook, Twitter, mit E-Mails - an die Aktionäre gewandt, und das direkt vor der Hauptversammlung. Einige Großaktionäre unterstützten unsere Forderung und wir konnten die Unterschriften direkt an Konzernchef Persson übergeben, doch trotzdem bleibt H&M wortbrüchig. Wir haben Fortschritte gemacht, aber unser Ziel noch nicht erreicht.

Zusammen retten wir das Tal von Kresna!

Seit 20 Jahren kämpft die lokale Bevölkerung in der Region Kresna in Bulgarien gegen eine Autobahn, die ein wunderschönes Flusstal zu zerstören droht. Wir sind ihnen zur Hilfe gekommen und haben in einer Eil-Aktion publik gemacht, dass die bulgarische Regierung Rechtsverletzungen nicht konsequent unterbindet. Die Bauarbeiten haben begonnen, obwohl keine Genehmigungen vorliegen.

 Frau Helena Braun - Kabinettsmitglied des Ersten Vizepräsidenten Timmermans - zuständig für Nachhaltigkeit, Laura Sullivan, Direktorin von WeMove Europe, und unsere Partner*innen von Friends of the Earth Bulgarien und Europa sowie CEE Bankwatch)

(von links: Frau Helena Braun - Kabinettsmitglied des Ersten Vizepräsidenten Timmermans - zuständig für Nachhaltigkeit, Laura Sullivan, Direktorin von WeMove Europe, und unsere Partner*innen von Friends of the Earth Bulgarien und Europa sowie CEE Bankwatch)

Mit unserem Eil-Video und jeder Menge E-Mails aus ganz Europa setzten wir das Thema dem Vizepräsidenten der EU-Kommission auf die Tagesordnung. Wir begleiteten die Aktivisten aus Bulgarien nach Brüssel. Im Gepäck: 210.000 Unterschriften und jede Menge Beweise, dass die Natur gegen europäisches Recht zerstört wird. Wir haben die Zusage, dass der Vizepräsident die Sache prüfen wird.

Nachdem jahrelang nur sehr wenig passiert ist, ist das ein kleiner Fortschritt, aber noch nicht der Erfolg, den wir wollen. Unsere Partner vor Ort sammeln weitere Beweise, führen andere Beispielfälle an, die dann an die Kommission geschickt werden. Wir hoffen natürlich sehr, dass das schon reichen wird, um dieses magische Flusstal zu bewahren!